Archiv der Kategorie ‘Feuilleton‘

Biennale di Venezia 2011

Es lohnt sich, in den verwinkelten Gassen Venedigs dem Pfeil New Zealand zu folgen. Gar unerwartet eröffnet sich überfütterten Biennalebesuchern eine wohltuende Oase. Sei es, weil aus einem filigran verzierten roten Flügel von einer jungen Musikerin Klaviermusik ertönt, sei es, weil ein Blick auf den Canal Grande zum Wasser hin ein wuchtiges anderes Musikexponat enthüllt. Im Garten dahinter steht das schwarze Gegenstück, gut bewacht. Die klugen wie schönen Arbeiten von Michael Parekowhai sind weit mehr als Kunststücke: Begriffe wie soziale Plastiken vielleicht oder performative Anordnungen greifen hier zu kurz, treffen die poetische Situation kaum.
Eine Familie, die den Palazzo offensichtlich bewohnt, macht sich mit ihren vielen Koffern auf den Weg – Sie hält inne, um nach den perlenden Klängen von Chopin ihre Reise nach irgendwo fortzusetzen. Was für uns ein überraschendes, herzliches Welcome war ist für sie ein fröhliches Farewell.

Unbedingt hingehen!

New Zealand

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admin am 18. Juli 2011 in Feuilleton

Es von unten nach oben regnen lassen.

Kunst hat etwas Anziehendes. In der Kunst kann man es von unten nach oben regnen lassen. Um Fragen zu stellen, zu entscheiden, erfinden, entwerfen, verwerfen. Dabei kristallisiert sich etwas heraus, will gefunden werden, erhärtet und verdichtet sich zu einem Ganzen, das sich kaum in Worte fassen lässt.

Alles ist möglich, Wälle können überwunden, Gipfel erstürmt, dunkle Flächen auf helle Gründe gelegt, die Quadratur des Kreises versucht werden. Nur wozu soll man es in der Kunst von unten nach oben regnen lassen? Damit sich der Blick neu orientieren muss, verorten in einem System, das er nicht kennt.

Unser Globus ist ein solches System. Eines, das sich andauernd allen Statistiken und der Hermeneutik entzieht. Dämme brechen, Ressourcen werden knapp, Monarchen stürzen ihre Untergebenen ins Elend.

Und wir Künstler sitzen im Atelier. Zeichnen, entwerfen und gestalten. Die einen werden schwer reich dabei, wieder andere leben am Rande der Existenz. Den Blick jedoch teilen wir alle. Da sind wir auf unendlich vielen Kanälen individuell. Ein Blick, der es von unten nach oben regnen sieht, kann sich schwarz als weiss vorstellen, schwach wird mächtig und was als geschlossen galt, öffnet sich. Alles darf im Bereich des Möglichen erdacht werden.

Berglistüber

Berglistüber

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admin am 08. Juli 2009 in Feuilleton